12.02.2026
Berufseinsteiger sind für viele Unternehmen nicht einfach „Junior-Unterstützung“, sondern der Beginn der eigenen Talentpipeline und damit eine Investition in die Fach- und Führungskräfte von morgen. Genau deshalb sind die Ergebnisse der Randstad-ifo-HR-Befragung aus dem 4. Quartal 2025 so relevant: In den meisten Betrieben bleibt die Zahl der Einstiegsstellen in den kommenden Jahren zwar stabil, gleichzeitig rechnet aber knapp jedes fünfte Unternehmen mit einem Rückgang.
Während 16 % mit mehr Einstiegsstellen rechnen und 65 % von einer gleichbleibenden Zahl ausgehen, erwarten 19 % weniger Einstiegsjobs, in Großunternehmen sogar 32 %. Besonders in der Industrie ist die Skepsis ausgeprägt: Dort gehen 23 % von weniger Einstiegsstellen aus, im Handel sind es 20 %, in der Dienstleistungsbranche 15 %.
Parallel dazu verschiebt Künstliche Intelligenz die Logik des Berufseinstiegs: Nicht unbedingt ganze Jobs verschwinden, aber typische Einstiegsaufgaben werden seltener oder ändern sich grundlegend. 14 % der Befragten sagen, dass KI bereits heute klassische Aufgaben von Berufseinsteigern übernimmt. Für die kommenden drei Jahre rechnen damit 40 % der Unternehmen.
Auch hier zeigt sich der Größenunterschied deutlich: In Großunternehmen liegt dieser Erwartungswert bei 63 %, in Kleinunternehmen bei 30 %. Randstad bringt die Konsequenz auf den Punkt: „Der Berufseinstieg ist eine Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit. Wenn Unternehmen weniger Einstiegsstellen anbieten und gleichzeitig KI häufiger Aufgaben übernimmt, wird es umso wichtiger, dass die verbleibenden Einstiegsrollen eine klare Perspektive bieten, mit Aufgaben, die Lernen und Weiterentwicklung ermöglichen, und mit einer realistisch geplanten Einarbeitung“, sagt Verena Menne, Group Director HR bei Randstad Deutschland.
Warum also planen Unternehmen überhaupt weniger Einstiegsstellen? Ein zentraler Treiber ist, dass viele Anforderungsprofile längst über das klassische Einstiegsniveau hinauswachsen. 33 % der Unternehmen, die künftig mit weniger Einstiegsjobs rechnen, geben an, dass die ausgeschriebenen Profile zunehmend das Einstiegsniveau übersteigen. Dazu passt, dass 25 % stärker auf Berufserfahrene setzen wollen - und 15 % fehlende Ressourcen für die Einarbeitung nennen.
Menne warnt vor den langfristigen Folgen: „Wenn immer mehr Aufgabenprofile über dem Einstiegsniveau liegen und gleichzeitig Kapazitäten für Einarbeitung fehlen, wird der Berufseinstieg schnell zum Nadelöhr- und Unternehmen merken die Folgen oft erst später, wenn Nachwuchs für Fach- und Führungsrollen fehlt.“ Und sie macht klar, worum es strategisch geht: „Einarbeitung sollte deshalb als gezielte Investition in Fachkräfte betrachtet und genutzt werden, die immer schwieriger zu rekrutieren sind.“
Unterm Strich zeigen die Zahlen: Der Berufseinstieg bleibt in vielen Unternehmen stabil, aber er wird selektiver und stärker durch KI geprägt. Genau deshalb entscheidet sich jetzt, ob Unternehmen KI nur als Effizienzhebel nutzen oder als Anlass, Einstiegsrollen klüger zu gestalten: mit weniger reiner Routine, dafür mit klaren Lern- und Entwicklungsschritten, verlässlicher Einarbeitung und Aufgaben, die echte Kompetenz aufbauen. Wer das ernst nimmt, gewinnt langfristig nicht nur produktive Nachwuchskräfte, sondern auch die dringend benötigte Besetzung für die nächste Ebene.
Quelle: Randstad / Bild: depositphotos.com ID: 280824110

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